17 Fehler beim Bau eines Insektenhotels, die du vermeiden solltest

Ein Insektenhotel selber bauen ist eigentlich ganz einfach. Allerdings gibt es so einige Fehler, die man dabei machen kann. Das liegt vor allem an den Produkten, die wir auf Amazon, in Baumärkten oder Discountern sehen. Ich bin volle Pulle in diese Falle getappt und möchte es dir ersparen! Deshalb hier die wichtigsten Fehler, die du beim Bau deines Insektenhotels unbedingt vermeiden solltest!

Fehler Nummer 1: Stroh

In fast jedem kaufbaren Insektenhotel gibt es Stroh. Warum? Weil es billig ist und viel Platz braucht. Was soll es bringen? Eine Unterkunft für Ohrenkneifer. Funktioniert das? Gut möglich. Das Problem ist allerdings: Ohrenkneifer sind Pollendiebe. Das heißt, wir bauen Nisthilfen für Wildbienen und laden in die direkte Nachbarschaft dann Kollegen ein, die den gesammelten Pollen von Biene Mayas wilden Schwestern klauen. Das geht natürlich auf keinen Fall! Deshalb: Weg damit!

Fehler Insektenhotel Stroh
Raus damit: Stroh hat in der Nähe von Wildbienen nichts zu suchen!

Ich wollte Ohrenkneifern trotzdem einen Unterschlupf geben – nur eben nicht DIREKT bei den Wildbienen. Deshalb habe ich ihnen einen externen Unterschlupf gebaut. Das geht ganz einfach!

Zum Artikel: Unterschlupf für Ohrenkneifer selber bauen

Insektenhotel Fehler Nummer 2: Tannenzapfen/Kiefernzapfen sonstige Zapfen

Auch das ist ein Klassiker: Zapfen, egal ob es Tannenzapfen, Kiefernzapfen, Fichtenzapfen oder sonstiges Nadelbaumsamenverteilungsmittel ist. Die Idee: Insekten suchen dort Unterschlupf. Klingt wirklich gut, ist aber – wenn man mal genauer darüber nachdenkt – totaler Käse.

Fehler Insektenhotel Zapfen
Raus damit: Zapfen machen keinen Sin und sind kein Mehrwert im Insektenhotel

Ja, es kann sicher sein, dass sich mal irgendetwas dorthin verirrt. Aber Zapfen sind sicherlich kein Magnet für Schutzsuchende Insekten! Hier ist es wie beim Stroh: Zapfen sind günstig und brauchen viel Platz. Deshalb werden sie in fertigen Insektenhotels gerne verwendet. Tatsächlich ist es aber Bauernfängerei!

Insektenhotel Fehler Nummer 3: Bohrlöcher in Nadelholz

Hatte ich auch: Bohrlöcher in Nadelholz gebohrt. Für Mauerbienen eine ideale Nisthilfe. Leider nicht. Denn was passiert? Nadelholz ist zu weich und die Löcher sind nicht sauber. Sobald die Bienen rückwärts hinein krabbeln bleiben die zarten Flügel hängen und verletzen sich. Das sichere Todesurteil für eine Biene und ihre Brut.

Insektenhotel Fehler Nadelholz
Raus damit: gebohrtes Nadelholz ist gefährlich für Wildbienen. Gebohrt ins Stirnholz noch viel mehr! Auf keinen Fall machen!

Ich hatte das Holz von meinen Beinen übrig und hey, warum nicht?  Ganz einfach: Weil es gefährlich oder tödlich ist! Dazu kommt: Wird Nadelholz nass, dann zieht sich die Feuchtigkeit bis ins Innere, das Holz quillt auf und die gesamte Brut verfault! Bohrungen NUR in Hartholz, welches trocken und abgelagert ist. Sehr gut eignet sich hierfür beispielsweise Esche. Wer nicht weiß, wie er an passendes Holz kommen kann, dem kann ich das Naturschutzcenter empfehlen. Ich habe mir dort einen Block gekauft und selbst gebohrt.

Hartholz Nisthilfe Wildbienen
So sehen gute Nisthilfen in einem gebohrten Hartholz aus: verschiedene Größen und saubere Kanten

Insektenhotel Fehler Nummer 4: Bohrlöcher ins Hirnholz

Hirnholz wie was? Man kann Holz aus verschiedenen Richtungen bohren. Am naheliegendsten ist es natürlich, einfach von oben oder unten in die Jahresringe hineinzubohren. Denn dann kann ich das Stück Holz so lang machen wie ich will. Aber: Wer in die Jahresringe – also ins Hirnholz – bohrt gefährdet die Wildbienen Brut massiv. Wird auf diese Weise gebohrt dann fängt das Holz sehr schnell an zu reissen und sobald Risse im Holz sind können Parasiten, Pilze, Feuchtigkeit etc. in die Brutkammern einziehen und die Larven töten bzw. passiv umbringen. Bitte bitte auf keinen Fall machen! Nadelholz und Hirnholz Bohrungen sehen am Anfang natürlich komplett fein aus – aber das ändert sich definitiv und zwar nach kurzer Zeit. Auch Hartholz, das in die Jahresringe gebohrt wird, reisst.

Insektenhotel Fehler Nummer 5: Unsaubere Bohrlöcher oder Nisthilfen

Bohrlöcher oder die Kanten an Bambus, Schilf und Co. müssen IMMER absolut sauber sein. Kein Grat oder Splitter sollte überstehen. Warum? Die Wildbienen kommen an und klettern erst mit dem Kopf voraus in ihre Nisthöhle. Dort würgen sie den Nektar hervor. Anschließend krabbeln sie rückwärts aus der Röhre heraus, drehen sich um 180° Grad und gehen rückwärts wieder hinein, um den Pollen abzustreifen.

Bienenhotel sauber Kanten
Ganz wichtig: Saubere Kanten am Eingang der Nisthilfen.

Wenn jetzt Splitter überstehen oder die Kanten nicht komplett sauber sind besteht die Gefahr, dass die zarten und empfindlichen Flügel der Wildbienen verletzt werden. Wenn dies geschieht ist unsere Bewohnerin und auch ihre Brut leider zum Tode verurteilt, weil sie dann nicht mehr fliegen kann. Deshalb immer und unbedingt darauf achten, dass alles sauber ist und wir keinerlei Gefahrenpotenzial bereitstellen!

Insektenhotel Fehler Nummer 6: Nisthilfen aus Glas

Auch das auf keinen Fall machen! Natürlich ist es extrem spannend mal in eine Nisthöhle hinein zu schauen. Aber bei Glas besteht eine große Gefahr, dass die Brut in der Zelle schimmelt. Glas ist nicht atmungsaktiv und ein Austausch von Sauerstoff ist nicht gegeben. Es gibt Hinweise, dass Mauerbienen sehr wohl recht gut mit Glasröhrchen zurecht kommen, da durch den Verschluss der Kammern mit Lehm trotzdem Luft zirkulieren kann. Allerdings gibt es ganz einfache und defin Wer seinen Wildbienen beim Brüten zuschauen will, der kann dies beispielsweise mit Nutbrettchen tun. Diese kann man ganz einfach aufklappen und einen Blick in die Brutkammern werfen. Aber auch hier gilt: erst informieren, wie man dies machen kann, ohne die Wildbienen und deren Brut zu stören oder zu zerstören!

Insektenhotel Fehler Nummer 7: Nisthilfen für Flöhe und Kolibris

Ja, es gibt Wildbienen in sehr unterschiedlichen Größen. Von sehr klein (2mm Durchmesser) bis doch recht stattlich (8-9mm Durchmesser). Aber in diesem Rahmen sollten wir auch bleiben. Bohrlöcher oder Schilfhalme mit 1mm Durchmesser sind vielleicht gut für Flöhe – helfen unseren Wildbienen jedoch recht wenig. Und Daumendicke Unterkünfte werden vielleicht in 20 Jahren und der entsprechenden Erderwärmung von Kolibris besiedelt – sind aber definitiv zu groß für die größten unserer gewünschten Gäste. Also immer darauf achten, dass die Nisthilfen auch passend für unsere Gäste sind. Oder auf Marketingdeutsch: Zielgruppengerecht!

Insektenhotel Fehler Nummer 8: Das Insektenhotel im Winter ins Haus bringen

Auf gar keinen Fall machen! Das Insektenhotel muss ganzjährig draußen stehen! Wird die Brut ins warme gebracht entstehen Frühlingsgefühle und die Larven können schlüpfen. Dies ist dann natürlich viel zu früh und weder die Temperatur noch das Nahrungsangebot sind passend. Was also passiert? Unsere Wildbienen, die wir eigentlich schützen wollen, sterben. Deshalb: Insektenhotel draußen stehen lassen. Die Wildbienen haben sich in der Evolution auf diese Temperaturen eingestellt und die Larven haben keinerlei Problem mit Kälte. Geschlüpfte Wildbienen allerdings sehr wohl!

Insektenhotel Fehler Nummer 9: Der falsche Standort

Wer ein Insektenhotel aufstellen will sollte sich einige Gedanken über den Standort machen. Manche – so wie ich zum Beispiel – sind leider sehr eingeschränkt. Ich habe lediglich einen Balkon mit nicht optimaler Ausrichtung. Allerdings ist mein Standort zumindest regengeschützt, so dass Regen nicht direkt auf den Eingang der Nisthilfen prasseln kann. Optimal ist ein Standort mit viel Sonne am Morgen (also mit Süd-Ost Ausrichtung), damit unsere kleinen Freunde schon frühs aufgewärmt werden und sich auf die Suche nach Essbarem machen können. Auf keinen Fall aber sollte die Gefahr bestehen, dass unsere Bienenfreunde überschwemmt werden. Also nicht flach auf den Boden stellen oder ohne Schutz vor Regen platzieren.

Insektenhotel Fehler Nummer 10: Falsche oder gar keine Nahrung

Wer Wildbienen anlocken möchte sollte darauf achten, dass es auch das entsprechende Nahrungsangebot gibt. Ich versuche z.B. gerade einen bienenfreundlichen Balkon in der Stadt zu bauen, um Besucher mit einem reichlich gedeckten Tisch vom Bleiben zu überzeugen. Bienen- und insektenfreundliche Pflanzen gibt es viele – Geranien aber gehören nicht dazu. Dann schon eher ein Ziest, Glockenblumen, Natternkopf, Malve und Co. Das beste an diesen Pflanzen: Sie sind hier heimisch und kennen unser Klima. Sie sind also nicht anspruchsvoll und kommen auch mal einige Zeit ohne Wasser aus. Also los zur nächsten Gärtnerei und entsprechende Pflanzen kaufen!

Blumen Wildbienen
Die richtigen Blumen spenden viel Nektar und dienen als Nahrungsquelle für Wildbienen und Co.

Insektenhotel Fehler Nummer 11: Du hast keinen Spaß

Aber eigentlich kann das gar nicht sein! Denn wer die ersten Gäste in seinem Insektenhotel begrüßen kann, der kann nach der ganzen Arbeit, die er in sein Projekt gesteckt hat eigentlich gar nicht ohne Spaß und Freude sein. Also genieß dein Insektenhotel und sei stolz auf dich!

Leser Peter hat noch weitere Fehler gesammelt, die ich hier nicht vorenthalten will!

Insektenhotel Fehler Nummer 12: kein Spechtschutz

Insektenhotels werden gerne von Spechten geplündert. Sie fressen die Insektenlarven, durch das Hacken werden Brutröhren bzw. das Holz zerstört. Hohle Stängel im Insektenhotel werden gerne von Spechten herausgezogen, auch wenn sie hinten verleimt sind.

Um dies zu verhindern, sollte man über den Nisthilfen in ca. 15 cm Abstand ein engmaschiges Gitter anbringen, durch dass die Wildbienen und Co. noch gut hindurchfliegen können (z. B. Maschenweite 2 cm).

Das Gitter sollte nicht direkt anliegen, weil dann manche Eingänge für die Wildbienen blockiert sind, aber Spechte trotzdem herankommen. Spechte haben nicht nur einen langen Schnabel, sondern auch eine lange Zunge (laut Vogelbüchern etwa das Vierfache der Oberschnabellänge, z. B. beim Grünspecht min. 10 cm). Darum muss das Gitter einen relativ großen Abstand zu den Brutröhren / Hölzern haben.

Insektenhotel Fehler Nummer 13: leere Schneckenhäuser

Leere Schneckenhäuser in einem Insektenhotel werden nicht von Wildbienen besiedelt. Es gibt zwar Wildbienen, welche in leeren Schneckenhäusern brüten, dafür müssen diese aber auf dem Boden liegen. Idealerwiese an einer sonnigen Stelle mit lockerem Boden.

Insektenhotel Fehler Nummer 14: Kein Platz für Bodenbrüter.

Etwa 2/3 bis 75 % aller einheimischen Wildbienen brüten im Boden. Für diese kann man eine ca. 1 m tiefe Grube in möglichst (voll)sonniger Lage anlegen, die man mit Sand füllt. Wenn man Ton-/Lehmboden hat, kommt ganz unten auf den Boden der Grube eine Drainage zur Entwässerung, z. B. Ziegelschutt. Die Sandoberfläche sollte etwas höher liegen als die Umgebung, damit die Grube bei Starkregen nicht unter Wasser steht. Ideal ist es auch, wenn die Sandfläche unter einem Dachüberstand (Regenschutz) an einer Wand mit südlicher Ausrichtung liegt.

Wege und Terrassen sollte man auf Sand statt auf Kies anlegen, dann schafft man dort Brutplätze für Wildbienen, Schlupfwespen u. weitere Nützlinge.
Außerdem gibt es auch Wildbienen, die in Lößlehm brüten, für diese kann man eine Lehmwand anlegen. Diese muss vor Regen geschützt sein (unter Dach mit Überstand). Der Lehm darf nicht zu fest ein, so dass die Tiere gut graben können.

Insektenhotel Fehler Nummer 15: Tote Stängel entfernen.

Es gibt Wildbienenarten, die in aufrecht stehenden toten Stängel brüten und deren Larven dort überwintern, z. B. in Stängeln von Brombeeren, Disteln, Malven, Königkerzen, Sonnenhut etc.
Wenn man diese Stängel (z. B. im Herbst) entfernt und häckselt oder kompostiert, sterben die Larven. Die erwachsenen Wildbienen schlüpfen im Verlauf des Frühjahrs.

Insektenhotel Fehler Nummer 16: Kein Platz für Mauerbrüter.

Manche Wildbienenarten bauen ihre Nester in den Zwischenräumen von Steinmauern. Darum sollte man Mauern aus unregelmäßig geformten Natursteinen anlegen, deren Zwischenwände nicht mit Mörtel, Beton etc. verfugt sind. Falls die Wand nicht frei steht, sollte ein guter Wasserabzug hinter der Wand vorhanden sein. Ideal sind Wände, die Hohlräume in allen Größen bieten, von wenigen mm bis zu 1 cm.

Man kann auch Mauern aus alten Dachziegeln bauen. Auch Dachziegel mit kleinen Hohlräumen (ca. 2 – 9 mm) sind geeignet.
Am Boden können auch noch größere Hohlräume und/oder Steinhaufen vorhanden sein, für größere Tiere wie Eidechsen, Kröten u. Blindschleichen.

Insektenhotel Fehler Nummer 16: Lochziegel

Die Löcher von normalen Lochziegeln sind mit über 1 cm viel zu groß für Wildbienen. Selbst wenn die Löcher kleiner wären, würden die allermeisten Wildbienen darin nicht brüten, weil die Löcher hinten offen sind.
Trotzdem findet man immer wieder Lochziegel in Insektenhotels, die es zu kaufen gibt. Aber vielleicht soll damit ja ein „Lebensraum“ für die Loriot’sche Steinlaus (Petrophaga lorioti) geschaffen werden…

Insektenhotel Fehler Nummer 17: Pestizide, speziell Insektizide im Garten einsetzen.

Wenn man Pestizide, besonders Insektizide im Garten einsetzt, schädigt man damit mit hoher Wahrscheinlichkeit nützliche Insekten und andere Tiere.
Auch „Bio“-Insektizide wie z. B. Pyrethrum u. Neem können bei falscher Anwendung nützliche Insekten töten. Man sollte immer die Packungsbeilage genau lesen. Wenn da steht, dass „Populationen von Bestäuberinsekten geschädigt werden/werden können“, z. B. Bienen, Schwebfliegen, oder andere Nützlingen wie Florfliegen, Schlupfwespen etc. geschädigt werden/werden können, sollte man stutzig werden.

Manche Fungizide enthalten Kupfer. Dieses Metall reichert sich mit der Zeit im Boden an und wirkt in höheren Dosen giftig auf Insekten und Bodentiere (z. B. Regenwürmer).
Auch manche Herbizide wie Glyphosat verringern die Population von einigen Tiergruppen, die auf dem oder im Boden leben.
Es macht wenig Sinn, den Insekten Nisthilfen anzubieten, um sie dann einige Meter weiter durch Gifte zu töten.

Du kennst noch mehr Fehler? Dann ab in die Kommentare damit!

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1 Kommentar

  • *Name
    7. November 2017 at 12:13 

    Vielen Dank für die Infos..
    Habe ein wunderschönes Insektenhotel gebaut bekommen…Alle oben aufgeführten Fehler mit inbegriffen.
    Heute abmontiert und arbeit für die Wintertage in die Werkstatt gelegt.
    Freu mich auf das Frühjahr auf ein artgerechtes Insektenhotel.
    Vielen Dank
    Julia

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